Psychothriller · Manuel Picoco
LÜGE
Ein Psychothriller über Wahrheit und Manipulation
Was bleibt, wenn du deiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kannst?
Erscheint am 2. November 2026

Die Geschichte
Die Wahrheit hat Folgen.
Ein Überfall verändert Ethans Leben. Danach beginnt er, kompromisslos die Wahrheit auszusprechen. Was zunächst befreiend wirkt, hat Folgen: Freunde wenden sich ab, Kollegen begegnen ihm mit Misstrauen, und vertraute Beziehungen geraten ins Wanken.
Auf der Suche nach Antworten bemerkt Ethan, dass Erinnerungen nicht mehr zusammenpassen. Zufälle wirken geplant. Menschen scheinen mehr über ihn zu wissen, als sie sollten. Je näher er der Wahrheit kommt, desto weniger kann er sich auf seine eigene Wahrnehmung verlassen.
LÜGE ist ein Psychothriller über Wahrheit, Manipulation und die Frage, wie sicher wir uns dessen sein können, was wir für wirklich halten.
Leseprobe · Auszug aus dem Buch
Kapitel 1 – Der Schlag
Ich war diesen Weg schon tausendmal gegangen. Meist nachts, oft allein, fast immer mit dem Gefühl, dass der Tag noch nicht ganz vorbei war, obwohl er längst hätte enden sollen. Es war kurz nach zwei. Der Regen hatte aufgehört, aber der Asphalt glänzte noch. Manhattan roch nach nasser Straße, nach Müllsäcken, nach warmem Licht aus einer Bar, deren Tür hinter mir gerade ins Schloss gefallen war. Ich dachte an nichts Besonderes.
„Geld.“
Das Wort kam ruhig, fast beiläufig. Zwei Männer traten aus dem Schatten eines Hauseingangs. Einer links, einer rechts. Sie standen dicht genug, um keine Fragen offen zu lassen. Mein Körper reagierte schneller als mein Kopf. Ich griff in die linke Jackentasche und gab ihm hundert Dollar. Er nahm sie, ohne mich anzusehen.
„Mehr hab ich nicht“, sagte ich.
Der Satz gehörte zu mir. Er war erprobt, funktional, zuverlässig. Ich hatte ihn unzählige Male benutzt, in anderen Situationen, mit anderen Menschen. Er beendete Dinge.
Dann sagte ich: „In der rechten Tasche sind noch neunzig.“
Ich hörte mir selbst zu, als würde jemand anderes sprechen. Ich wusste in dem Moment, dass ich mir schadete. Trotzdem sagte ich es. Vielleicht, weil es stimmte. Vielleicht, weil ich müde war. Vielleicht, weil ich an diesem Tag schon zu oft Dinge gesagt hatte, die nicht stimmten.
Der Schlag traf mich hart in den Magen. Die Luft verließ meinen Körper, als wäre sie herausgerissen worden. Meine Knie gaben nach, ich fiel nach vorn und spürte den nassen Asphalt unter mir. Der Schmerz breitete sich langsam aus, dumpf und tief. Einer der Männer griff in meine rechte Tasche, nahm das Geld, dann gingen sie. Ihre Schritte entfernten sich ohne Hast, als hätten sie etwas Alltägliches erledigt.
Ich blieb auf den Knien.
Der Gedanke kam klar und unerwartet: Das war interessant.
Das einzige Mal heute, dass ich die Wahrheit gesagt hatte, und genau dafür bekam ich einen Schlag.
Ende der Leseprobe
Weiterlesen? Zum BuchDein nächstes Buch
LÜGE von
Manuel Picoco.
Wähle deine Ausgabe. Preise und Liefertermine findest du beim jeweiligen Händler.